Drei Meere, ein Kompass: Ostsee, Nordsee, Atlantik
Es gibt eine Linie, die meine Biographie strukturiert, und sie ist nicht zeitlich, sie ist geographisch. Drei Meere. Drei Wassertypen, drei Lichtfarben, drei Geräusche. Die Ostsee war Kindheit. Bernstein im Sand nach einem Sturm, ein gelbliches Licht im Spätsommer, das Wasser dunkel, fast schwarz, in der Tiefe. Die Nordsee war Übergang. Sie kam mir nicht als Strand entgegen, sondern als Hafen — die Elbe trug ihre Tiden bis nach Hamburg, das Salz blieb in der Luft, die Schiffe kamen aus aller Welt. Fünfzehn Jahre Beauty in einer Stadt, die im November so grau ist, dass man die Hand vor Augen nicht sieht. Und dann der Atlantik. Wilder, kälter, größer, lauter. Wer einmal die Hand in den Atlantik gehalten hat, weiß, was Ozean bedeutet, und kann es nicht mehr verwechseln. Dieser Eintrag, der letzte für dieses Jahr, ist kein Reisebericht. Er ist ein Versuch, eine Frage zu beantworten, die ich mir oft gestellt habe. Warum klingt das Wort Meer in jeder Sprache anders, und warum bedeutet es in allen dasselbe?